Modische Kattastrophe? Nein danke.

Hätte ich mich mein bisheriges Leben lang immer topmodisch kleiden wollen, hätte wahrscheinlich meine Ururgroßmutter schon anfangen müssen sämtliche Kleidungsstücke zu archivieren. Gut, klar, bei einigen Dingen fand ich es akut und auch im Nachhinein sehr schade, dass sie nicht aufgehoben worden sind, bei vielen anderen (die eindeutige Mehrheit) ist das Gegenteil der Fall. Als Kind hätte ich alles für eine richtige, echte Schlaghose gegeben. Nicht nur von Mutti eingenähte Keile in den Hosenbeinen, sondern Hosen die echt schon von Werk an Schlag hatten. Nie im Traum hätte ich damals gedacht, dass nachfolgende Generationen meine Karottenhosen mit Bundfalten einmal schön, geschweige denn modern finden könnten. Und jetzt? Jetzt klappere ich die Läden ab und stehe wieder vor ihnen – Bundfaltenhosen, die bequem am Hintern und knacke-eng an den Unterschenkeln sitzen.
Und nicht nur das. Ich erinnere mich gut an die Anoraks meiner Mutter – Reliquien der 80er, praktisch bei Wind und Wetter – aber halt wie so oft bei Kleidungsstücken die praktisch waren, waren sie alles andere als schön. Und heute suche ich nach einer Jacke. Nach einer praktischen. Ich mache auf meinem Weg einen kleinen Abstecher in die “In”-Abteilung des Klamottenladens. Und was finde ich? Weitgeschnittene Anoraks, die scheinbar heutzutage aus nicht-praktischen, also nicht wasserfesten, Materialien hergestellt werden und als schön empfunden werden. Oder zumindest als modisch. Verdrehte Welt. Kurzum:
All die Dinge wegen denen ich damals gehänselt und ausgelacht wurde, all diese Kleidungsstücke sind wieder modern.

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